von Kaffee und anderen Pflanzen

Da wir zu zweit reisen, möchte ich an dieser Stelle einmal Henning vorstellen.

Als Hennings Eltern und der Freundeskreis von unserem Vorhaben für unbestimmte Zeit die Welt mit dem Fahrrad zu erkunden erfuhren, war keiner wirklich überrascht. Vermutlich lag das daran, dass sie sich im Laufe der letzten Jahre ans Extreme bezüglich Henning gewöhnt hatten. Ein dreiviertel Jahr vor der Verkündung der Weltreise hatte Henning nicht nur an seinem ersten 100-km-Lauf teilgenommen, sondern gewann diesen auch direkt mit unter acht Stunden. Drei Monate später rannte er seinen ersten 12-Stunden-Lauf und in der Zwischenzeit waren wir noch vier Wochen mit dem Rad durch Osteuropa getingelt.

Und dieses Extreme beschreibt ihn auch sehr gut. Denn alles, wofür Henning sich begeistert und was er sich vornimmt, verfolgt er mit einer Intensität, die manch einen in den Wahnsinn treiben kann. Und das nicht nur im sportlichen Bereich. So hat Henning im letzten Jahr seinen grünen Daumen entdeckt, dutzende Samen in Erde gesteckt und inzwischen kann in unserer Wohnung der Gang von einem Zimmer ins andere nur noch mit Machete erfolgen. (Die sportlichen können sich auch von Liane zu Liane schwingen.) Denn unsere vier Wände haben sich plötzlich in einen Urwald mit mehr als einer Pflanze pro Quadratmeter verwandelt, die alle liebevoll von Henning gezogen wurden und nun gehegt und gepflegt werden.

Henning auf der Suche nach Pflanzensamen für ein grünes Andenken.

Eine weitere Leidenschaft von Henning ist das Angeln. Das konnte man auch gut an seiner Ausrüstung sehen, die bei seinen Eltern eine komplette Garage in Beschlag genommen hat. Pünktlich zum geplanten Start unserer Reise hatte er sich von allem getrennt, aber inzwischen sieht unser Keller nicht viel besser aus als einst die Garage. Aber auch das soll bis zur Abreise wieder alles verschwinden und bleiben soll nur Hennings Reiserute, die so klein gepackt werden kann, dass er diese am Rahmen seines Fahrrades befestigen kann. Natürliches alles nur zu unser beider Wohle, um uns mit Nahrung zu versorgen. Aber wer Henning ein wenig kennt, weiß, dass die Fische am Ende ohnehin entweder wieder im Wasser landen, weil sie zu klein sind und das viel zu schade wäre, oder weil die Fische zu groß sind und das auch viel zu schade wäre.

Wenn man Henning fragt, was ihn am meisten umtreibt, wenn er an die Reise denkt, ist es die Angst, dass er irgendwann ohne Kaffee dastehen könnte. Man muss wissen, dass Henning zu mindestens 80% aus Kaffee besteht. Vielleicht auch mehr. Jetzt darf man aber nicht denken, dass er ein richtiger Feinschmecker ist und es nur der zehnfach gedampfte, frisch gemahlene und vergoldete Kaffee sein darf. Nein, Henning freut sich auch dann über seinen Kaffee, wenn er diesen ohne Filter aufgießen muss, weil er vergessen hat Filter mitzunehmen und er deswegen etwas krümeliger als üblich ist. Ein eindeutiger Vorteil für unsere geplante Reise.

So viel Zeit muss sein: Kaffeepause.

Und dass Henning schon mal etwas vergisst, kann durchaus vorkommen. Denn auch wenn er erst 1990 geboren wurde, so denkt sein Hirn hin und wieder, dass er deutlich älter und entsprechend vergesslich sein muss. Als wir uns kennenlernten und uns im Freibad trafen, schaffte Henning es beispielsweise sowohl ohne etwas zu Trinken als auch ohne Handtuch aufzutauchen. Diese Dinge waren ihm irgendwie entfallen.

Am Ende bleibt nur zu hoffen, dass Hennig nicht einfach vergisst, dass er mit dem Rad unterwegs ist und zu Fuß losrennt oder vergisst, dass er mit einer weiteren Person unterwegs ist und einfach davonradelt. Denn dann ist er so schnell nicht mehr zu bremsen.

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