Equipmenttest und ein frohes neues Jahr

Man könnte sagen, dass es ernster wird. Den größten und vor allen Dingen wichtigsten Teil unserer Ausrüstung für unsere große Tour haben wir allmählich zusammen. Vereinzelt fehlen zwar noch ein paar Dinge und auch ein oder zwei größere Anschaffungen. Diese sind aber nicht zwingend erforderlich, um die Reise tatsächlich antreten zu können. Zelt, Schlafsäcke, Fahrradtaschen und vor allen Dingen Fahrräder liegen schon seit einiger Zeit startklar im inzwischen leergeräumten Wohnzimmer und warten darauf, dass es endlich los geht.

Allerdings muss man sagen, dass wir zwei bisher sozusagen „Warmcamper“ waren. Quasi das Äquivalent zu den „Warmduschern“. Keiner von uns hat bisher wirklich im kalten gecampt. Na gut, Henning während seiner ambitionierten Angelzeit schon, allerdings dann mit einer kleinen Standheizung, also kann man das wohl nicht wirklich als „Campen im Kalten“ zählen. Da das Christkind uns zu Weihnachten noch recht nützliche Dinge wie Thermounterwäsche und Mützen gebracht hat und wir unsere Schlafsäcke vor allem in Hinblick auf die kalte Jahreszeit gekauft haben, wurde es Zeit das Ganze zu testen.

Der ursprüngliche Plan war, mit dem Zug am Silvestermorgen bis nach Winterberg zu reisen und den Ruhr-Rad-Weg bis zu uns nach Bochum mit den Fahrrädern zurückzufahren. Bei knapp 160km war zwangsläufig eine Übernachtung im Zelt vorgesehen. Da Pläne ja selten so funktionieren, wie sie ursprünglich gedacht waren, ist Marielle leider kurz vorher krank geworden, daher entschieden wir uns, dass wir eine verlängerte Tour bis zu Hennings Eltern machen und unser Zelt dort im Garten aufschlagen würden. Nicht ganz stilecht, aber so hätte Marielle die Chance ins Haus zu gehen, falls es ihr zu schlecht ging.

Also packten wir alles, wovon wir glaubten, dass wir es brauchen würden (oder auch nicht) in unsere Taschen und setzten uns am 31.12.2019 in unsere Sättel. So wunderbar sonnig, warm, windstill und herrlich trocken… naja, so hätten wir Warmcamper uns das zumindest gewünscht. Tatsächlich war es grau, nass, nebelig und dazu noch arschkalt. Aber immerhin kein Wind. Man muss sich auch über die kleinen Dinge des Lebens freuen können und seinen wir mal ehrlich: bei 15°C und Sonnenschein hätte es auch wieder wenig Sinn ergeben unsere Ausrüstung im Winter zu testen. Und so strampelten wir los.

Noch nicht mit 100% beladen, aber für eine Probefahrt genug.

Nach dem ersten heftigen Schlenker lag Marielle schon fast auf dem Weg, weil sich das Lenk- und Fahrverhalten eines Fahrrades doch spürbar verändert, wenn man auch noch zwei mal zwanzig Liter am Vorderrad hängen hat. Gut zu wissen, und genau dafür fährt man vorher ja auch mal Probe. So ungewohnt es die ersten fünf Minuten ist, so schnell hat man sich danach an das veränderte Lenkverhalten gewöhnt. Woran wir uns nicht ganz so schnell gewöhnt hatten war jedoch unsere Breite und so kam man sich ab und an vor wie in einem Autoscooter, wenn wir uns mal wieder gegenseitig anbufften, weil wir seitlich zu nah aneinandergeraten waren.

Unterwegs traten dann die Probleme auf, die sich bei einem solchen usseligen Wetter eben ergeben. Die ersten 1,5 Stunden waren ein ständiges Stopp and Go, weil zu kalt, zu warm, zu nass, zu ich muss pinkeln. Wir beide waren mittels Zwiebelprinzip angezogen, uns aber noch nicht ganz im Klaren, was am besten funktioniert. Wären wir einfach flach geradeaus gefahren ok, aber mal ging es schnell bergab, mal langsam bergauf. Also hielt man erst an, um sich noch etwas überzuziehen, um es sich kurz darauf wieder vom Körper zu reißen. Ganz abgesehen davon, dass es einen deutlichen Unterschied macht, wenn man mit vier großen Fahrradtaschen unterwegs ist und sich entsprechend anstrengen muss, aber nur deutlich langsamer vorwärtskommt. Wer an dieser Stelle hilfreiche Tipps an Kleidung uns Kleidungsprinzipien hat: immer raus damit.

„Ich hab ’nen Döner auf dem Kopf, ich bin ’ne Zwiebel“ oder „Ich fahr‘ Rad im Winter, ich bin ’ne Zwiebel.“

Wir haben es zum Glück geschafft kurz vor der Dämmerung bei Hennings Eltern anzukommen und nutzen das restliche Tageslicht, um direkt das Zelt aufzubauen. Unser altes Zelt konnten wir im Dunkeln zwar innerhalb von zwei Minuten aufbauen, aber bei unserem neuen Zelt waren wir noch nicht ganz so im Training und wollten daher den Vorteil nutzen, vernünftig zu sehen, was wir tun. Nach knappen sieben Minuten stand auch unser neues Zelt, wobei der Großteil der Zeit wohl für die Diskussion drauf ging, wo bei unserer Unterlegplane oben und wo unten ist. Abgesehen davon schienen wir vieles in Zeitlupe zu machen, was unseren eiskalten und steifen Fingern zuzuschreiben war. Aber schließlich stand das Zelt und wir müssen ehrlich sagen: es graute uns etwas die Nacht dort zu verbringen, da uns nach der Radtour über den Tag ohnehin schon nicht besonders warm war.

Wir müssen gestehen: wir haben es nicht bis Mitternacht geschafft. Um 22:30 Uhr waren wir so fertig und müde, dass wir kurzerhand auf das alte Jahr anstießen und uns endlich im Zelt und unseren Schlafsäcken verzogen.

Als um uns herum plötzlich ein ordentlicher Lärm losbrach, waren wir wieder wach und wussten auch ohne auf die Uhr zu schauen, dass es null Uhr war und wünschten uns ein frohes neues Jahr. Anschließens drehten wir uns wieder um und schliefen wieder ein. Denn ob man es sich vorstellen kann oder nicht, so ein Feuerwerklärm kann zu einem sanften Hintergrundrauschen werden, sodass man fast denken könnte, man sei am Meer. Diese Vorstellung wurde definitiv auch von den Temperaturen in unseren Schlafsäcken unterstützt. Henning war so warm in seinem Schlafsack, dass er schwitzte und Marielle hatte ihren Innenschlafsack ausgezogen, um genau das zu vermeiden. Da es draußen jedoch -3°C waren, streckte niemand einen Arm aus dem Schlafsack, weil das wiederum doch viel zu kalt war.

Guten Morgen und ein frohes neues Jahr.

Alles in allem haben wir – unterbrochen von extrem lauten Böllern – sehr gut geschlafen und Marielle wurde erst um 8:30 Uhr von Hennings Frage, ob sie noch schliefe geweckt. Nachdem sie ihren Kopf aus dem Schlafsack gearbeitet hatte, zeigte sich das einzige Problem: wir hatten beide Belüftungsluken am Abend geschlossen und die Feuchtigkeit, die wir und unser Atem über Nacht produzierten, war am Inneren unseres Zeltes gefroren. Das war nicht so clever… Wissen wir dann fürs nächste Mal. Aber alles in allem, waren wir sehr beruhigt und sehr glücklich, da sowohl das Zelt als auch unsere Isomatten, Schlafsäcke und Thermounterwäsche gehalten haben, was wir uns von ihnen versprochen hatten. Und nachdem wir uns durchgerungen hatten unsere warmen Schlafsäcke zu verlassen und in die Kälte zu gehen, mussten wir feststellen, dass so ein gefrorenes Zelt in der aufgehenden Sonne etwas sehr Schönes an sich hat.

Eiskratzen mal anders.

Als wir uns an dem Anblick satt gesehen hatten, bauten wir unser Zelt direkt wieder ab, denn so lange es noch gefroren war, konnte man den größten Teil der Feuchtigkeit einfach abschütteln. Damit es noch mal anständig trocknet, würden wir es zu Hause noch einmal auspacken und auf dem Trockenboden aufhängen müssen. Als das Zelt wieder verstaut war, gab es einen heißen Kaffee bzw. Tee und Frühstück und dann wurden die Sachen wieder zusammengepackt und die Fahrräder beladen. Wir mussten ja schließlich wieder zurück nach Bochum und so stiegen wir am ersten Tag des neuen Jahres wieder in unsere Sättel. So wunderbar sonnig, warm, windstill und herrlich trocken… und tatsächlich, das neue Jahr war uns im wahrsten Sinne des Wortes wohl gesonnen und präsentierte sich von seiner besten und sonnigsten Seite. Der Fahrtwind war zwar immer noch arschkalt, aber die Sonne tat wunderbar gut und es war einfach herrliches Wetter zum Radfahren. Und so rollten wir in das neue Jahr mit unseren Reisebegleitern, mit denen wir den Hauptteil dieses und der nächsten Jahre verbringen würden.

So sonnig startet es sich gut in’s neue Jahr.

2 Gedanken zu “Equipmenttest und ein frohes neues Jahr

  1. Frohes neues euch zwei sehr sympathisch positiv verrückten. Erster Kälte Test 👍🏻👌🏻Erfolgreich
    Freu mich auf weitere Berichte
    Lg
    Bianca

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    1. Danke Bianca, Dir auch ein frohes, neues und gesundes neues Jahr. 🙂
      Wir freuen uns auch, wenn wir endlich mehr berichten können, dann heißt es nämlich, dass es endlich los geht.
      Ganz liebe Grüße,
      Marielle und Henning

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