Eine Begegnung, die uns dankbar macht

Eine Geschichte, die unsere Herzen berührte.

Wir haben auf unserer Reise viele wunderbare Begegnungen erlebt und auch darüber erzählt. Heute möchte ich allerdings von einer etwas anderen Begegnung erzählen, die uns beide sehr berührt hat und nach der wir zu allem wieder einen ganz anderen Bezug hatten.

Es waren mal wieder 39°C und wir und unsere Köpfe hielten die Mittagssonne einfach nicht mehr aus. Daher suchten wir uns einen Supermarkt und machten es uns dort mit unseren Stühlen im Schatten unter dem Vordach bequem. Dort stand auch schon ein Mann, etwa Ende 30 und nachdem wir freundlich gegrüßt hatten, kamen wir erst Mal zur Ruhe. Wir verbrachten tatsächlich sechs Stunden unter dem Vordach im Schatten und während dieser sechs Stunden lernten wir Smail kennen.

Smail stammte aus Algerien. Er war vor über 3 Jahren nach Italien gekommen, da es in seiner Heimat für ihn keine lebenswerte Zukunft gab wie er sagte. Er war ganz alleine in Italien, da er hier keine Freunde hatte, denn er stand jeden Tag am Supermarkt. Hier bettelte er aber nicht einfach nach Geld, sondern trug den Leuten die Taschen zum Auto, brachte Einkaufswagen zurück oder war anderweitig behilflich. Dafür bekam er ein wenig Kleingeld oder durfte den Euro aus dem Wagen behalten. Manche gaben ihm auch ein wenig zu Essen. Und er war die ganze Zeit sehr freundlich und überhaupt nicht aufdringlich. Manche kannten ihn auch schon und wenn er ein Auto von jemandem entdeckte, dem er immer helfen durfte, eilte er hin, um schon Mal die Tür zu öffnen und sich ein wenig zu unterhalten. Er stand über 10 Stunden jeden Tag dort. Morgens lief er aus dem Nachbarort mehrere Kilometer her und abends wieder zurück. Jeden Tag. Die Welt konnte er dabei nicht verdienen, aber offenbar reichte es irgendwie und war mehr als wenn er schwarz arbeitete. Angemeldet war er nicht. Für uns, die wir aus so wohlbehüteten Verhältnissen kommen, war das alles so wenig greifbar.

Und es berührte uns auf einer ganz tiefen Ebene. Denn wir konnten feststellen, dass wir so unglaublich privilegiert sind, dass wir so eine Reise wie die unsere nicht nur machen, sondern diese überhaupt in Erwägung ziehen konnten. Denn die meisten können das nicht. Und wir haben nichts dafür gemacht. Wir hatten nur einfach das Glück in Deutschland geboren zu sein, sodass uns die Welt offen steht. Wir bekamen einen ganz anderen Bezug zu dem, was wir grade machten und wurden sehr dankbar.

Und noch etwas lernten wir:
Manchmal ist es wichtiger ruhig zu sein und zuzuhören. Manchmal ist es wichtiger seine eigene Geschichte nicht zu erzählen, sondern die Geschichte eines anderen kennenzulernen. Denn inzwischen leben wir in einer so lauten Welt, weil jeder meint, dass die eigene Geschichte unbedingt jedem erzählt werden muss, dass wir vergessen manchmal einfach still zu sein und jemand anderem Gehör zu schenken. Für seine Gefühle, seine Ängste, seine Träume, seine Geschichte. Für denjenigen selber. Oft ist das schon mehr als derjenige lange erlebt hat.

Daher erzählten wir an diesem Tag unsere Geschichte nicht. Wir blieben still, auch lange nachdem wir endlich vom Supermarkt weitergefahren waren. Wir hingen unseren Gedanken nach und dachten darüber nach, wie unterschiedlich die verschiedenen Leben sein können.

Und als wir wieder sprachen, trafen wir eine Abmachung:
Wenn wir irgendwann wieder zu Hause wären, würden wir unsere Augen mehr für Leute wie Smail öffnen und ihnen zuhören. Denn vielleicht würden wir ihnen helfen können und sei es, indem wir sie lediglich wahrnahmen. Das kann jeder von uns.

Die ruhige Landschaft passt zu unserer Stimmung und wir sind sehr dankbar für diesen wunderschönen Anblick.

7 Gedanken zu “Eine Begegnung, die uns dankbar macht

  1. Es ist so wahr was Du da in wunderbare Worte verpacken konntest. Diese Begegnungen machen unser Leben wertvoll und Erden uns auf eine ganz besondere Weise. Es ist schön, dass ihr dieses Erlebnis wahr nehmen konntet. Ich wünsche Euch weiterhin unvergessliche Momente auf Eurer wundervollen Reise. Viele Grüße aus Schermbeck

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  2. Oh mein Gott. Der Artikel hat mich tief berührt.
    Es ist so wichtig, mal über den eigenen Tellerrand zu sehen.
    Dankeschön für diese wunderbare Geschichte.
    L G

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