Warum wir keine Videos mehr machen

Unsere Gründe uns gegen YouTube zu entscheiden

Viele werden es sicher schon mitbekommen haben: Wir machen keine YouTube Videos mehr. Die Entscheidung ist uns tatsächlich nicht leichtgefallen und es hat lange gebraucht, bis wir uns definitiv so entschieden hatten. Nachdem wir es über Instagram bekannt gegeben haben, haben uns viele Leute geschrieben, dass sie es schade finden würden oder uns mit viel Zuspruch doch nochmal dazu bewegen wollten mit den Videos weiterzumachen. Vieles ist von zu Hause manchmal schwieriger nachzuvollziehen, daher möchten wir es hier noch einmal genauer erklären und vielleicht nimmt der ein oder andere sogar etwas für sich mit.

Die Idee mit YouTube stammte ursprünglich von Henning. Er selbst ist begeistert dort unterwegs und hat sich dort in der langen Zeit der Vorfreude auf unsere Tour unzählige Videos zum Thema Radreisen oder Reisen in ungewöhnliche Länder angeschaut. Irgendwann fragte er mich beim Abendessen, was ich davon halten würde unsere Reise zu filmen und ebenfalls kurze Videos zu machen. An und für sich hatte ich nichts dagegen, allerdings schränkte ich ein, dass dies dann sein Projekt sei. Da ich selbst nur äußerst selten auf YouTube unterwegs bin und sehr viel lieber lese als mir etwas anzugucken, war daher klar: ich würde den Blog machen, Henning die Videos. Natürlich würde der andere immer mitreden dürfen, hier ging es nur um die Arbeitsteilung. Und eins stand von Beginn an für uns beide fest: Wir würden weder den Blog noch die Videos unsere Reise bestimmen lassen. Das Ganze müsse sich in unsere Art der Reise einfügen ohne zu stören oder sie zu bestimmen.

Und genau darin lag irgendwann der Knackpunkt. Denn es war wie mit so vielem: es ist eine Sache etwas zu wissen und eine andere es dann tatsächlich zu erleben. Daher kommt vermutlich auch der typische Spruch „Aber das wusstest Du doch vorher“. Ja, wusste man vielleicht, aber man hat es eben nicht physisch erlebt. Das ist dann nochmal eine andere Nummer. Und so war es dann auch mit den Videos.

Indem er einen Trailer erstellte, hatte Henning sich bereits zu Hause in das Schnittprogramm eingearbeitet. Ein Trailer ist aber wiederum etwas vollkommen anderes als zu zeigen, wie der Alltag bei einer mehrjährigen Radreise aussieht. Vor allem zu Beginn wussten wir noch gar nicht, wie oder was wir eigentlich filmen sollten und filmten immer, wenn wir es grade mal für richtig hielten. Das fügte sich auch wunderbar in unseren Alltag, weil wir uns nicht groß Gedanken machten. So mussten wir dann allerdings auch beim ersten Video feststellen, dass wir überhaupt noch keine stringente Erzählung drin hatten, was das Schneiden unnötig erschwerte. Zudem merkte Henning, dass es bei solchen Videos auf ganz andere Dinge ankam als bei einem Trailer und er vieles davon noch nicht wusste. Das bedeutete viel Zeit, die beim Schließen der Wissenslücken draufging und am Ende war man noch nicht zufrieden, weil die Story fehlte.

Alles klar, aus Fehlern lernt man. Und so lernten wir von Video zu Video dazu. Beispielsweise auch, dass man nicht wahllos mit irgendeiner Kamera filmt, sondern diese sinnvoll für bestimmte Sachen einsetzt, damit das Sichten des ganzen Materials nicht noch länger als ohnehin schon dauert. Wir lernten immer mehr und es gab immer mehr Sachen zu beachten. Das bedeutete zwangsweise, dass wir irgendwann beim Fahren ständig darüber nachdachten, was wir denn noch filmen könnten, um das passende Material zusammenzubekommen. Was ist überhaupt interessant, welche Perspektive wäre jetzt gut? All so was. Sprich, der Kopf war immer mehr mit der Filmerei für ein Video beschäftigt als damit die Reise zu genießen und im Hier und Jetzt zu sein, alles mit den Augen wahrzunehmen und im Kopf für die Erinnerungen abzuspeichern. Abtauchen, sich treiben lassen, verloren gehen. Das war Fehlanzeige.

Hinzu kam dann natürlich der Ort und die Zeit für das Schneiden. Denn zum einen braucht man dafür natürlich Ruhe, aber vor allem auch Strom und Internet. Wir konnten glücklicherweise einige Nächte über Warmshowers verbringen und so viele tolle Leute kennenlernen. Aber für Henning hieß es auch einen Großteil der Zeit mit Kopfhörern vor dem Laptop zu sitzen und in der Zeit gar nichts von dieser wunderbaren Möglichkeit Menschen, deren Leben und Kultur kennenzulernen zu haben. Ganz davon abgesehen, dass wir auch in dieser Zeit nie einfach mal zu zweit mit oder ohne Räder loszogen, um uns den Ort, die Stadt oder die Gegend anzuschauen, denn es gab ja ein Video, das geschnitten werden sollte. Das war doch total bescheuert und überhaupt nicht Sinn der Sache. Vor allen Dingen hätte man meinen können, dass es nach ein paar Videos natürlich schon deutlich schneller ging. Theoretisch ja, wenn sich die Qualität der Videos nicht verändert hätte. Aber je mehr Henning dazulernte und sich mit dem Thema Videos beschäftigte, desto länger dauerte es, da es immer mehr Feinheiten zu beachten gab. Grob konnte man sagen, dass nur für das reine Schneiden pro Videominute eine Stunde Arbeitszeit dahintersteckte. Und hier war jetzt noch keine Zeit für die Auswahl von Musik oder das Formatieren, die Videobeschreibung oder das Hochladen eingerechnet, geschweige denn für Untertitel.

Und auch, wenn uns persönlich die Videos mit der Zeit immer besser gefielen und es am Ende auch schöne Erinnerungen sind, wurde uns der Zeitaufwand und der Umstand, dass sich der Kopf zum Großteil mit den Videos beschäftigte und, dass die Zeit während eines Ruhetages immer für das Schneiden drauf ging, zu viel. Denn inzwischen bestimmten die Videos durchaus einen Teil unserer Reise und das war weder richtig noch gut. Wir hatten so lange auf diese Reise, dieses Abenteuer gewartet, darauf gespart und fast alles dafür aufgegeben, da wollten wir am Ende nicht zurückblicken und uns darüber ärgern, dass wir so wenig in die Länder und Kulturen abgetaucht waren, weil wir ständig nur mit den Videos beschäftigt und davon gestresst waren. Natürlich sind es tolle Erinnerungen, aber das sind Fotos auch und diese kann man sich im Gegensatz zu Videos sogar an die Wand hängen.

Nun gibt es natürlich noch den finanziellen Aspekt, vor dessen Hintergrund vermutlich sehr viele Leute, die eine Reise wie wir sie machen, auch überhaupt Arbeit und Zeit in solche Videos investieren. Denn ab einer bestimmten Abonnentenzahl und einer bestimmten Anzahl von Stunden, welche die Videos abgespielt wurden, beginnt eine Monetarisierung. Dies war für uns aber tatsächlich kein Grund solche Videos zu machen, da uns klar war, dass wir niemals in der Regelmäßig- und Häufigkeit, in der man dazu Videos liefern muss, welche erstellen würden. Wir wollten gerne bestimmte Sachen teilen, aber nicht auf Teufel komm raus Videos liefern, um die Abonnenten zu halten und unsere Watchtime voll zu kriegen. Ganz im Gegenteil sogar. Da wir Videos machen wollten, die wir uns selbst auch gerne anschauen würden, bezahlten wir sogar auf einer Plattform Geld dafür, um eine vernünftige Auswahl an Musik zu haben, da uns die frei verfügbare absolut nicht zusagte. Also wie gesagt: Der Aspekt war für uns ziemlich belanglos.

Letztlich haderten wir immer mehr mit dem Zeitaufwand und dem nicht Abschalten und nicht vollkommen genießen können. Als wir dann darüber nachdachten, dass wir uns tatsächlich auch schon diverse Male nur wegen eines Videos in die Haare bekommen hatten, war irgendwann die Entscheidung klar. Wir hatten an diesem Abend in Kroatien, noch weit nachdem die Sonne bereits untergegangen war, geredet und es stand fest: Wir würden erst mal keine Videos mehr machen. Sollte irgendwann der Wunsch danach wieder aufkommen, wollten wir es nicht gänzlich ausschließen, aber zunächst wollten wir unseren Traum einfach genießen und nur noch in Schrift und Bild teilen.

Wir sprechen mit all diesen Punkten und unserer Entscheidung nur für uns. Wir wissen, dass es mehr als genug Reisende gibt, die entweder nicht diese Probleme mit dem Abschalten haben, wie wir sie hatten oder die es eben nicht stört, dass die Videos die Reise mitbestimmen, weil sie hiermit ggf. auch gutes Geld verdienen. Wir wissen nicht, wie sie es machen, aber für uns passt es schlichtweg nicht. Wir möchten unser Abenteuer genießen, denn auch wenn wir gerne unsere Erlebnisse und Abenteuer teilen, machen wir das alles am Ende für uns. Einfach weil es unser großer Traum ist.

Und spätestens als wir in Montenegro auf dem Durmitor Panoramaweg unterwegs waren, wussten wir, dass wir uns absolut richtig entschieden hatten, denn wir hatten den ganzen Tag Zeit zum Staunen und Bewundern und wir kamen nicht mal auf die Idee eine Aufnahme mit der Drohne zu machen so sehr waren wir im Hier uns Jetzt angekommen.

Durmitor Nationalpark – Wir tauchen ab und gehen in seiner unglaublichen Schönheit verloren.

9 Gedanken zu “Warum wir keine Videos mehr machen

  1. Richtige Entscheidung. Ich bin zwar auch Youtube Junkie und kann mich an Radlvideos nicht sattsehen. Aber ich verstehe auch, dass bei den Filmern so viel auf der Strecke bleibt. Ich nehme mir selbst immer vor, mal doch meine Fahrten aufzunehmen, hab sogar einen extra YT Kanal dafür, aber letztlich mache ich dann doch nur Fotos, weil mir „den Moment zu genießen“ dann doch lieber ist. 🤷‍♂️

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  2. Wir sind überzeugt, dass Ihr Euch richtig entschieden habt. Ihr macht diese „Reise“ nicht um Videos zu konstruieren – Ihr seid den ganzen Tag unterwegs in fremden Gegenden, bekommt manchmal Kontakt mit fremden Menschen, habt körperliche Anstrengungen zu ertragen, müsst Euch mit Essen versorgen, einen Platz zum Zelten finden – das reicht dicke!
    Genießt Eure Reise!
    Christa + Helmut

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    1. Hallo ihr Zwei,
      ja, es ist schon erstaunlich, wie viel Zeit man mit den einfachsten Dingen wie Essen und einen Schlafplatz finden verbringt. Ihr wisst, wovon wir sprechen.
      Wir werden die Zeit auf jeden Fall genießen! Vielen Dank für eure Nachricht.
      Liebe Grüße

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  3. Macht es so, dass es für euch ein unvergessliches Abenteuer wird. Egal ob mit oder ohne You Tube. Es ist EURE Reise. Alles Gute für euch, Bleibt gesund und genießt es. Liebe Grüße Renate

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